Jeden Tag ein guter Täter!

niemand, niemand gibt uns eine chance, 

doch wir koennen siegen, fuer immer und immer
wir sind dann helden fuer einen tag

Marktfrauen, die Äpfel verschenken, Metzger, die Paula mit Schinkenwürsten füttern, Autofahrer, die einen Bogen um uns machen, Bauern in Spendierhosen, barmherzige Pastoren und freundliche Kneipenwirte. Im Prinzip eignet sich jeder für den Job. Aber nur 67 Helden können ihn bekommen.

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27. Juni Astrid Engelbrecht. Promovierte Sportwissenschaftlerin, war schon (länger) auf der ganzen Welt unterwegs (Peru, USA) und leitet nun das Yogazentrum „Schöne Aussicht“ in Ham… äh.. Berl… nein: Lindwedel. Rund 35 Kilometer von Hannover entfernt. Erklärung: Der Bauernhof, auf dem das alles stattfindet, gehört der Familie, Onkel und Tante wohnen im vorderen Teil, züchten Pferde. Astrid Engelbrecht bewirtschaftet den ostlichen Flügel und holt sich die Welt einfach nach Lindwedel. Sie wirkt bei unserem ersten Zusammentreffen …nun…etwa smüde… nach einem langen Arbeitstag, aber auch zufrieden. Man muss sich nur kurz umsehen, dann versteht man schon, was diese attraktive, urbane Frau hierhin (zurück) geholt hat.

Der auch in Details liebevoll gestaltete Ort hat mehr als nur eine schöne Aussicht auf Teich, Wiesen und Pferdekoppeln, er hat: Charakter. Oder: Gute Vibes. Es fühlt sich richtig an, einfach nur auf einem der Liegestühle zu sitzen, die Musik aus dem Center zu genießen und sich seine Gedanken zu machen – auch wenn in meiner derzeitigen Verfassung mehr als dösen nicht drin ist. Nach dem inzwischen schon wohl bekannten ersten Zögern – „Normalerweise kostet das 38 Euro!“ – lässt mich auch Astrid Engelbrecht umsonst in ihrem schönen Haus wohnen. Serviert ein Weltklasse-Frühstück und wünscht strahlend einen guten Weg. Dass sie auch  zweifache Mutter von beinahe erwachsenen Söhnen ist, merkt man spätestens im Schlusssatz: „Wollen Sie ein bisschen Sonnencreme? Nein? Ach kommen Sie, Sie müssen sich doch einreiben bei dieser Hitze!“

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26. Juni 

Sonja Zernick. Yogalehrerin aus Hannover. Lebt in einem Haus, das ihr Wesen spiegelt: Voller Licht, Wärme und Freundlichkeit, zarte Rottöne dominieren, mindestens immer ein Tier im Blickfeld. Sonjas Freund Ulli bekocht und begrillt uns still und ambitioniert, wir sitzen bei Rosé und Rotwein bis in die Nacht hinein auf der Terrasse, bis selbst die Teelichter aufgeben. Am nächsten Morgen winkt Sonja fröhlich, Sonne im Blick. Besser kann unser Tag nicht anfangen.

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19/20. Juni 

Christopher & Astrid Fleck. Das Sommermärchen-Paar. Ich war dabei, als die beiden sich kennen lernten. Im Club Robinson in der Türkei. Das war während der Fußball-WM 2006, bis dahin war Christopher kinderloser Single. Das hat sich ein wenig geändert. Im Prinzip hat sich sein ganzes Leben geändert: Er lebt nicht mehr in Köln, sondern in Bielefeld. Er arbeitet nicht mehr als Lehrer, sondern als Personaler in einem westfälischen Unternehmen. Er ist auch nicht mehr kinderlos, stattdessen versorgt er mit seiner Frau gleich vier davon. VIER. (Okay, nur zwei selbst produzierte…)Eins aber hat sich nicht geändert:  Nach wie vor kann ich jederzeit zu ihm kommen und mit ihm tolle Gespräche führen. Über alles, was  uns wirklich beschäftigt: Was ist das verdammte Geheimnis von Klopp in Dortmund zum Beispiel und wo spielte Jörg Heinrich, bevor er zum SC Freiburg wechselte? Klar, das uns der Gesprächsstoff nie ausgeht…

In Bielefeld retteten Astrid & Christopher mich vor der Obdachlosigkeit in einem Ort namens Oelde, von dem ich zuvor noch nie gehört hatte. Sie boten mir gleich zwei Betten an, ich nahm sie beide, eins nach dem anderen, da ich wg. der Schienbeinkrise gleich zwei Nächte dort blieb. Eigentlich wäre ich gern noch länger geblieben, statt wieder hinaus in die Regenwelt zu marschieren. Ich schätze, das wäre auch kein Problem gewesen, deshalb bin ich dann auch abgehauen: So soll es schließlich bleiben.

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18. Juni 

Stefan Müller und Sarah Moennig. Aus Hamm. Beide um die dreißig, seit einem halben Jahr zusammen und sehr verliebt. Was schön anzusehen ist. Stefan ist ein Mensch mit offenen Augen, neugierig, an vielen Dingen interessiert. Der gelernte Laborant ist seit 2004 selbständig als Promoter, Schwerpunkt Technik, er kann Sachen erklären und kennt auch die Details.Von meinem Projekt hörte er durch den feinen Blog des Dortmunders Carsten Drees  zweipunktnull.org Spontan entschloss er sich, mich einzuladen. In Sarahs Wohnung allerdings, die klein, aber größer ist als seine eigene. Die beiden hatten Fisch besorgt, das Apartment auf Vordermann gebracht, mein Bett vorbereitet. Sarah war zuerst skeptisch, gibt sie zu: Ein fremder Typ bei ihr zu Hause? Was wollte der, was soll das? Doch Sarah, Altenpflegerin, denkt die Dinge gern zu Ende. Informierte sich, stritt sogar mit ihren Eltern („Auf keinen Fall reinlassen den fremden Mann!“) War dann so, wie man sich das als Gast nur wünschen kann: Freundlich,  verbindlich. Mittendrin Sohn Luca, acht, gut erzogen, ein wenig schüchtern, dann doch: lebhaft.  Er freut sich auf ein größeres Zimmer, wenn Sarah und Stefan im September zusammen ziehen, schon nach dann: neun Monaten. Auf meinen reflexartig-spießigen Einwand, das sei aber früh, nickte Stefan nur und Sarah lachte leise. Subtext: Früh vielleicht, aber vor allem: Richtig! Selten so viel wortlose Übereinstimmung gesehen, bei so jungen Menschen. Die beiden wirken sehr erwachsen für ihr Alter. Müssen sie vielleicht auch sein, Sarah als Mutter, Stefan als Selbständiger in einem harten Wettbewerb. Den Kopf haben aber beide noch weit offen. Schöner Abend.

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17. Juni 

Nelly Fleckhaus. Again. Die erste Offerte kann ich unter hohem Willenskraft-Investment noch ignorieren. „Ich bring dir ein Hühnchen vorbei!“ Pah. Eine Stunde später: „Currywurst?“ Sofort rufe ich zurück. Nelly, die beruflich in der Nähe zu tun und mich schon in Ihrem Heim in  Odenthal beherbergt hat, liest mich in Bochum-Gerthe auf, wir suchen und finden nach längerem Rumgewurschtel im Ruhrgebiet eine Currywurst-Bude, Pommes Schranke dazu – und schon wieder ein Tag in der Mittellosigkeit, an dem ich nicht abnehme. Zum Abschluss: Kaffee & Kuchen im Dortmunder Kreuzviertel. Hallelujah.

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16. Juni 

Hanne und Alexander Grygoriew. Aus Gelsenkrichen-Buer. Wer das nicht kennt: Ist quasi auf Schalke. Arena-Nah.Die Eltern von Ex-Kollegin Nina wollten genau wissen, wen ihre Tochter Ihnen da auf den Hals gehetzt hat. Ich rückte auf dem Zahnfleisch dort an, dann wurde der Tag besser: Freundlicher Empfang, grandioses Essen (dreimal nachfassen…) anschließend drei Viertel Fußball unter besonderer Berücksichtigung von Schalke 04 und dem vereinsimmanten Wahnsinn, ein Viertel Bücheraustausch unter besonderer Berücksichtigung von Krimis, Schwerpunkt Skandinavien. Selten auf dieser Reise so angeregt wanderfremd geplauscht! Am nächsten morgen Gartenbegehung und üppiges Frühstück, Vater Alexander bringt mich raus aus Gelsenkirchen, damit ich nicht 40 Kilometer nach Dortmund abreissen muss. Zum Abschied beschließen wir, irgendwann mal ein Schalke-Spiel gemeinsam anzuschauen. Wäre wirklich nett.

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15. Juni

Sandra Dudler. Genannt:  Zorro. Residiert in einer riesigen Design-Butze in Essen und entschloss sich, so verrückt zu sein und einen bis dato unbekannten, mies riechenden Wanderer auf ihrem feschen Sofa übernachten zu lassen. Kochte auf wie eine Herdheldin (Pasta mit lecker Fleischbällchen), stellte mir Freundin Andrea vor, genannt: Hexe. Prima Abend mit viel Gelächter und Branchenspott, feiner Musik und leckerer Weinschorle. Ins Bett geschleppt, meinem Schicksal gedankt. Und Sandra natürlich, Verzeihung: Zorro.

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14. Juni

Susi & Britta. Alte Freundinnen von Sabine. Jedenfalls Britta. Waren schon gemeinsam im Horst, leben in einer wunderbaren alten Schmiede in Duisburg-Marxlohe und erziehen gemeinsam fünf Kinder, hauptsächlich auf dem Hockeyplatz. Mehr an anderer Stelle. Hier aber schon mal: Danke!

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13. Juni

Stephanie Reuter. Ich wurde ihr von meiner Ex-Kollegin Stella (Bongi!) aufgedrängt, denn sie bewohnt mit zwei Jungs, ihrem Freund Marat und wechselnden Hausgästen eine fein verschrammelte Altbauwohnung in Düsseldorf-Bilk. War ein interessanter, schöner Abend, möchte ich sagen und noch viel mehr, aber das später und an anderer Stelle, erst mal tiefer Diener vor dieser lustigen, schlauen Frau: Vielen Dank!

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11./12. Juni

Ulrike Münter. Die netteste Person auf der Reise, die ich gar nicht kennen gelernt habe. Auf Empfehlung einer befreundeten Kollegin (Danke, Jennifer!) wurde ich zu Ulrike nach Wuppertal vermittelt. Die Pfarrerstochter aus der Nähe von Hamburg, studierte Musikerin, nun alleinerziehende Mutter von zwei Kindern (Rosalie und Emile) und ganztags für die Bundeszentrale für kulturelle Bildung tätig, war über Pfingsten gar nicht zu Hause – großes Familientreffen in Niedersachsen. Trotzdem überließ sie mir ihre schöne Wohnung über dem wunderbaren Luisenviertel, mit dem Zusatz: „Der beste Blick über Wuppertal!“ Stimmt wohl. Nach ungefähr 30 Kilometern Fußweg bis nach Wuppertal war es trotzdem ein Schock, dann noch den steilen Berg bis zu ihrer Wohnung aufsteigen zu müssen. Am härtesten waren die 101 Stufen einer Treppe mit dem sehr eigentümlichen Namen: Tippen Tappen Tönchen. Nun. Ein Bild von Ulrike übrigens habe ich in ihrer ganzen Wohnung nicht gesehen, Eitelkeit gehört  jedenfalls nicht zu ihren Problemen…  So muss das Klingelschild reichen. Und der Blick vom Balkon. Sorry.

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10. Juni

Nelly & Ralph. Nelly begleitet mein Projekt schon von Anfang an, bot früh eine Unterkunft im herrlichen „Fleckhaus“ an und entpuppte sich als perfekte Gastgeberin, kochte Bärlauch-Pesto-Spaghetti und ließ mich sogar aus zwei Varianten aussuchen, wo ich schlafen wollte. Am nächsten Tag begleitete sie mich ein Stück auf meinem Weg, um mir ein paar Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu zeigen. Vielen Dank! (Und dass sie ob meiner Wurschtigkeit hin und wieder mal ein bis zwei Augen zudrücken musste, sieht man ja auch auf dem Bild…)

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9. Juni

Michel Birbæk. Ein guter Torhüter, ein blonder Däne, ein hundsgemein guter Romancier (der den Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller sehr wohl kennt… – und ein, doch, jetzt schon: alter Freund aus den frühen Allegra-Tagen, der Print-Gott möge ihrer Seele gnädig sein. Bei Michel muss man nicht viele Worte machen. Er findet mein Projekt ziemlich, nun ja: albern und als ich mit meinem Rucksack in seinem Treppenhaus Stufen mache, lacht er mich schon aus der Entfernung aus. Das darf er, ich schätze seine knappen Ansagen, ihm würde es nicht in den Sinn kommen, Bullshit zu erzählen, um über die Runden zu kommen. Dafür schätze ich ihn, auch wenn er manchmal anstrengend ist, wie alle Guten. Michel meint es halt Ernst, bei allem, was er tut (oder eben nicht tut). Lauwarm ist in keiner Beziehung seines Lebens eine Option. Er zeigt mir seine fette Ledercouch, hält es für sehr wahrscheinlich, dass ich darin nicht gut schlafe, am nächsten Morgen zerdeppere ich ihm mit dem Fußball beinahe seinen Apple und Frühstück gibts auch nicht. War aber trotzdem ein Abend, den ich bald mal gerne wiederholen möchte

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7/8. Juni 

Meine Eltern. Es gibt das Zuhause im Horst und es gibt die Heimat in Eschweiler, dankbar bin ich für beide Rückzugsorte, auch wenn in einem davon definitiv zu viele Mahlzeiten angeboten werden…

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6. Juni

Heike & Frank. Die beiden leben in Düren-Gürzenich, wir tafelten im schönen Garten (lecker Cidre), erzählten von alten Tagen und neuen Reisen, sogar das Wetter spielte mit (am Nachmittag noch Stürme und Gewitter) Schöner Abend ganz nah bei der Heimat. Schwer zu glauben, dass meine Reise anstrengend sein soll. Ich kann doch auch nichts dafür…

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4/5. Juni 

Agnes & Roland. Im Doppelpack. Gehören zu den ganz, ganz alten Freunden. Über sie zu schreiben wäre wie fremde Leute ins Tagebuch schauen zu lassen. Und so was mach ich nicht. Nur so viel: Sie leben in Köln-Rondorf, haben zwei Kinder und einen großen Kühlschrank, in dem ich mich schamlos bedienen durfte, es wurde gegrillt, Pizza gegessen und zwischendurch haben die beiden Terroristen dafür gesorgt, dass keine Kurort-Atmosphäre aufkam. Sogar den Tatort durfte ich anschauen. Keine weiteren Fragen.

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3. Juni

Gaby Seeger. Aus meiner Heimatstadt Eschweiler. Sie führt in Heisterbacherrott / Königswinter einen Buchladen, schon recht früh schrieb sie mich an: Ob ich nicht vorbei kommen würde, sie könne eine kleine Veranstaltung organisieren. Wollte ich gerne: Schließlich kann ich so an der Basis ein bisschen PR für das „Deutschland Umsonst“-Projekt machen und gleichzeitig auf mein neues Buch „Das Gummistiefelgefühl“ hinweisen, das am 24. Juni erscheint.

Der Abend wurde sehr nett und ich war nach der Nacht im Zelt in der Nähe von Uckerath froh, im Hause Seeger ein richtiges Schlafzimmer mit Hochbett und einer Dusche in der Nähe beziehen zu können. Danke auch unbekannterweise an Annika, die älteste Tochter der Familie, die sich gerade auf Abi-Fahrt in Südfrankreich befindet und deren Zimmer ich in Beschlag nehmen durfte.

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2. Juni

Eslen. Aus der Bäckerei eines Discounters in Oberpleis. Es war mein erster Bettelversuch nachdem Paula abgeführt worden ist. Ich habe festgestellt: Ohne Hund um Essen, Wasser oder ein Bett zu bitten ist schwerer und unangenehmer. Fast zwei Tage habe ich vermieden, es auch nur zu versuchen. Erst bei Eslen wurde es mal wieder Zeit – woher sollte ich sonst nach der Zeltnacht eine Art Frühstück herbekommen? „Haben Sie vielleicht ein altes, trockenes Brötchen für mich?“

Eslen schaut mich konsterniert an. „Altes trockenes Brötchen?“ fragt sie. Und gleich noch einmal: „ALTES Brötchen?“ Ich nicke. „Hab ich nicht!“ sagt Eslen, ich „gebe frisches, leckeres Brötchen!“ Und reicht mir drei knackige Semmeln und ein Käsebrötchen rüber. Das war nicht nur gut fürs Frühstück, das war auch gut für die Moral. Es geht auch ohne Paula…  (Was nicht heißt, das es Spaß machen würde…)

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1. Juni

Zisterzienser-Pater Domenicus.  Aus der Abtei Marienstatt. Als ich gestern Abend spät an der Klosterpforte anklingelte, wurde er herbei gerufen, er managt im Kloster die – üblicherweise kostenpflichtigen – Übernachtungen. Er warf einen Blick auf meinen Rucksack, stellte mir zwei knappe Fragen, dann war klar: Ich kann nix bezahlen. Mit keinem Wort wurde dieser Umstand noch einmal thematisiert, stattdessen die Frage: „Kennen Sie eigentlich das Buch von Michael Holzach, „Deutschland umsonst?“ Nun. Kann man sagen.

Pater Domenicus fährt auch gerne einfach so los mit dem Rad, das Zelt dabei und schaut, was passiert. Er ist nicht verwundert, dass ich auf meiner Wanderung bislang so viele hilfsbereite Menschen getroffen habe: „Jeder hat etwas Kostbares in sich, das er mit der Welt teilen kann.“

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31. Mai

Sven Klingelhöfer.  Aus Bad Endbach. Kennen gelernt haben wir uns vor Jahren in Sydney. Er arbeitete als Koch in unserem Lieblings-Café  Paris Go am Bondi Beach. Harley-(und BMW) Fahrer Sven führt zusammen mit seinen Eltern eine Metzgerei, eine Pension und einen Catering-Service, doch der Traum von der (wenigstens halbjährlichen) Übersiedlung nach Sydney verbindet uns. Sven ist ein Fels. Nicht nur optisch. Es ist sicher kein Spaß, ihn zum Feind zu haben. Als Freund aber ist er eine sichere Bank, loyal und absolut verlässlich. Einer von den Guten.

In Bad Endbach reservierte er für Sabine und  mich das schönste Zimmer der Pension, wir hatten einen prima Abend am Lagerfeuer mit Svens grandiosen Grillschätzen, zum Frühstück servierte er uns die halbe Auslage der Metzgerei. Er wanderte noch ein paar Kilometer mit – zu mehr reichte seine Zeit leider nicht – und arrangierte en passant noch eine Übernachtung für mich. Großes Tennis. Danke.

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30. Mai

Edina. Aus dem netten Lokal in Marburg, in dem ich von meiner Frau beköstigt wurde. Edina kümmerte sich nicht nur rührend um unseren Sorgenhund, sondern antwortete auf die Frage: „Haben Sie auch guten Kaffee?“ mit einem Augenrollen und einem deutlichen „Probieren Sie das besser nicht aus…!“ Und sie meinte es nett. Das war lustig. Schade, dass unser Alternativ-Café dann auch nur ein mieses Gebräu plus einer bräsigen Kellnerin anbot…

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29. Mai

Sabine. Meine Gattin. Der Hund machts nicht mehr länger mit. Also den für diese Fälle vereinbarten Alarm-Anruf nach HH, sie kommt und was soll ich sagen: Ins Zelt will sie nicht… Stattdessen spendiert sie eine Nacht in Gießen in der Alten Brauereigaststätte an den Westanlagen. Und kümmert sich sofort mal um den Hund. Schon am nächsten Tag gehts dem Simulanten viel besser. Ich vermute: Heimweh gepaart mit gärender Wanderunlust. Geh ich halt allein weiter. Oh je. Das Zimmer im Hotel war trotzdem okay, und auch, dass ich meine Frau mal wieder gesehen habe…

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28. Mai

Christoph von und zu Löw. Sieht man dem sehnigen, dünnen Mann in seinen Jeans nicht unbedingt an, das er ein Von und Zu ist.Und auch dem nachlässigen Charme des Gartenhofes Steinfurth geht jeder adelige Touch ab. Das ist eine gute Nachricht: Der Hof ist eher ein Umschlagplatz für den Traum vom alternativen Landleben, kleine, bunte Hütten, verwunschene Kräuter und Blumenecken, große Scheunen. Und mittendrin Christoph von Löw, der den Hof mit zwei Freunden betreibt, Maibowle ausschenkt, Musikveranstaltungen anbietet und gegen die deutsche Bürokratie darum kämpft, hin und wieder auch Essen anbieten zu dürfen. „Vielleicht mache ich eine Straußenwirtschaft daraus. Dann dürfte er drei Monate im Jahr Essen anbieten!

Bis dahin eben nur Blumen, Musik, Getränke und das Gefühl, an einem ganz besonderen Ort zu sein. Der gute Täter übrigens ist er nicht, weil er mir persönlich etwas Gutes getan hätte, nein. Am Nebentisch, dort wo ich mit dem Hund Rast machte, setzten sich zwei Damen und beichteten: „Wir haben unser Geld vergessen.“–  „Das ist kein Problem für mich“ antwortete Christoph von Löw, „was wollen Sie denn trinken?“ Die Guten sind überall, suchen Sie auch hier nach ihnen: http://www.gartenhof-loew-zu-steinfurth.de

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27. Mai

Karola Bausum.  Aus Rodheim / Rosbach. Tiefenentspannter geht nicht. Ach, Sie kommen heut schon? Und Sie bringen einen Hund mit. Okay, ein paar von meinen Kindern müssen morgen nach München, mein Mann ist nicht da und überhaupt: Ich kenn sie ja gar nicht. Herzlich willkommen! (Mehr über Familie Bausum später an anderer Stelle)

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26. Mai

Karén Wissing. Zum ersten Mal habe ich sie auf Curacao getroffen, das zweite Mal in Ruanda. Das ist kein bizarrer Zufall, denn wir führen eine ziemlich einseitige Beziehung: Sie lädt mich an die schönsten Orte der Welt ein und ich revanchiere mich dafür, in dem ich ihr als olfaktorische Zumutung mit Hund und Hunger auflauere, in ihrer schönen Frankfurter Dachgeschoss-Wohnung im Frankfurter Westend. Häh?

Also, noch mal ernsthaft: Karén arbeitet als PR-Fachfrau in der Tourismus-Branche und veranstaltet Pressereisen, auf die sie Gestalten wie mich einlädt. Journalisten, die sich die schönen Seiten einer Destination zeigen und rund um die Uhr betreuen, verköstigen und entertainen lassen und die sich dann hinterher darüber beschweren, dass das Wetter aber echt nicht soooo toll war… Ich mochte Karén sofort, weil sie für eine PR Dame frech und unabhängig auftrat, uns professionellen Klugscheißern in die Schranken wies und trotzdem immer topfreundlich und relaxt blieb. Da sie selbst im vergangenen Jahr den Jakobsweg bewältigte („Du hättest mal meine Füße sehen sollen – so was Ekliges kannst du dir nicht mal vorstellen!“) wusste sie, wie sie einen müden Wanderer behandeln musste. Sie begrüßte mich mit : „Duschen! Trinken! Essen!“ Und wenn du dann am Tisch einschläfst, nehm ichs dir nicht übel!“ Das sind wahre Freundinnen. Es dauerte dann noch eine prima Flasche Wein und einen Teller grandioser Pasta, bis ich tatsächlich beinahe wegdöste (Die Nacht am Hauptbahnhof!) – derweil wusch die Dame meine dreckigen Klamotten und fütterte den seligen Hund mit Knackwürsten. Am nächsten Morgen wurde ich mit fünf Kilo Nahrungsmitteln für mich und den Hund entlassen und der Idee, ein oder zwei Tage mitzuwandern. Es wäre mir eine Freude!

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25. Mai

Dschoni. Oder meinte er: Johnny? Das war nicht genau zu ermitteln. Jedenfalls der nette junge Mann aus Vietnam, zu dem ich mich gestern Nacht immer wieder einmal rettete, wenn es auf den Sitzen, Bänken oder Steinliegen des Frankfurter Hauptbahnhofs zu ungemütlich und langweilig geworden war. Das Donut und ein Wasser musste ich noch von meinem hart zusammen geschnorrten Geld bezahlen, aber beim dritten Mal hatte er Erbarmen und schenkte mir eine Apfelschorle.

Vielleicht wollte er mich und meine müde-wirren Geschichten einfach nur loswerden, vielleicht hatte er Mitleid mit dem Hund, wer weiß es. Freundlich war es so oder so. Und das muss man erst mal sein, wenn man ein paarmal in der Woche einen Job zwischen 22 Uhr nachts und sechs Uhr morgens hat, in einem Kiosk am Frankfurter Bahnhof, der ab zwei nahezu menschenleer ist.

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24. Mai


Christian Press. Regelt mit Freunden das „Café Strandgut“ in Ebersbach. War da, als ich mit genervtem Hund und ausgelaugt nach 30 Kilometer Fußmarsch dort reinfiel und mich so langsam mal um eine Unterkunft für die Nacht bemühte. Und nahm gleich mal Druck aus der Sache: „Ich habe ein nettes kleines Garten-Grundstück ganz in der Nähe, da kannst du hin, wenn du nichts anderes findest.“ Christian ist der perfekte Wirt: unaufdringlich, freundlich, lässig. Auch wenn ich sein Café zwei Stunden lang zum Büro umfunktionierte und den einzigen großen Tisch in Beschlag nahm, ohne zu konsumieren: Kein Problem. Er hilft da gern. Ich empfehle den Laden – der als Verein geführt wird – allen, die jemals in Eberstadt vorbei schauen. Und eine der tollen alten Merian-Hefte darf man sich dort auch noch gratis mitnehmen.

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23. Mai

Ellen Dietrich. Holte mich in Weinheim am Schloss ab und brachte mich nach Nieder-Liebersbach im Odenwald – einem ganz reizenden kleinen Städtchen ohne Busverbindung irgendwohin. Dort steht ihr Haus und auch das ihrer Eltern, im „Kiosk“ gibts ganz vorzügliches griechisches Essen und überhaupt war das ein netter Abend – wieder mal ein tiefer Diener vor FB (insbesondere natürlich Edith)  und seinen Qualitäten. (Mehr über Ellen an anderer Stelle)

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21/22. Mai

Susanne & Jörg. Alte Freunde. Mobile Leute, die beide als Professoren an den Universitäten Heidelberg (er) und Heilbronn (sie) arbeiten und die nichtsesshaftesten Menschen sind, die ich kenne. Seit einiger Zeit bewohnen sie nun im wirklich idyllischen Heidelberg/ Ziegelhausen ein großes Haus mit grandiosem Garten: Nach dem desolaten Hoffenheim-Freitag der beste Ort und die besten Menschen, die mir am Wochenende passieren konnten. Abgesehen vom Wellness-Feeling im Garten (der direkt an den Odenwald grenzt) arbeitete ich mich bei herrlichem Wetter durch gefühlte sechs Mahlzeiten am Tag: Pizza, Pfannkuchen, Grillwurst, Pommes, gefüllte Paprika, Spargel – vermutlich habe ich noch was vergessen, ein Wunder, was man an zwei Tagen alles essen kann. Dazu noch Besuche in einem schönen Biergarten (ein Kloster!) und in der (aus gutem Grund) leicht überlaufenen Altstadt von Heidelberg. Ich bin nur knapp dem Niedlichkeits-Flash entronnen, doch ich verstehe mit zunehmendem Alter immer besser, warum man hier leben möchte: Hier fühlt sich sogar ein Besuch der Mensa an wie Urlaub in der guten, alten Zeit. Noah und Luis  kümmerten sich derweil vorbildlich um meine leicht manische Stockjägerin Paula, so dass an den letzten beiden Tagen die gesamte Wandergruppe fröhlich brummkreiselte. Vielen Dank. Echt jetzt.

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20. Mai

Ali. Von Ali Baba, einer Kneipe auf dem Weg von Sinsheim nach Hoffenheim. Ich war spät dran, wollte unbedingt noch nach Hoffenheim, um dort beim Bauern auf der Wiese nach einem Schlafplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Der Hund lechzte nach Wasser. Also rein in die nächste Kneipe: Ali Baba. Sechs türkische Jungs – ungefähr um die 20 – hocken um eine Wasserpfeife und starren mich an wie eine Erscheinung.

„Kann ich ein bisschen Wasser für den Hund haben!“  Ich zeige auf meine beiden Wasserflaschen.

„Ali, komm mal, das ist ein Mann!“ ruft einer der Jungs. Sie mustern mich interessiert, aber kein bisschen feindselig.

„Wo gehst du hin?“

„Richtung Heidelberg“ sage ich, „und dann weiter nach Schleswig-Holstein.“

„Kenn ich“ sagt einer von ihnen, „hab ich mal in Kiel gelebt, war schön, aber immer schlechtes Wetter.“

„Kenn ich“ sage ich, „leb ich in Horst!“

„Warum fährst du nicht mit Auto?“ fragt der Kieler. Gute Frage. Ich erkläre Ihnen das „Deutschland Umsonst“-Projekt.

„Krass!“ sagt einer, ein anderer „Respekt, Mann!“ Ehrlich. Dann kommt Ali, überblickt die Situation, füllt meine Wasserflaschen und legt noch eine Seltersflasche drauf. Dann grinst er und sagt:

„Hey Mann, Heidelberg zu Fuß, ist doch krass. Ich zahl dir Bahnnhof!“

Gute Jungs.

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19. Mai

Albert und Martina Xander. Geschwister. Albert arbeitet mit Jan, dem Sohn meiner Lieblingsnachbarn, zusammen in Ludwigsburg, lebt aber mit Schwester Martina gemeinsam in einem Haus in Güglingen-Eibensbach. Da er auf Besuch „organisatorisch“ nicht eingestellt ist, erledigt Schwester Martina auf eine handfeste Art diesen Job, einer muss ihn ja machen. Sie will (eigentlich) nicht fotografiert werden und zieht gerade ein paar Küken im Badezimmer auf, sie räumt ihr eigenes Schlafzimmer für mich und Paula aus, hat Grillfleisch besorgt und sitzt im Gemeinderat, Internet interessiert sie nicht, einmal in der Woche checkt sie ihre mails im Durchschnitt, weil: „Es gibt doch auch im richtigen Leben immer was zu tun?“ 

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18. Mai

Tobias Reiner . Er kennt Stephan, Stephan kennt Andrea, ich kenne Andrea, wir sind FB-Freunde, Bingo: schon gabs eine weitere Übernachtung in Bietigheim-Bissingen. Eine sehr spezielle. Es begann schon damit, dass Tobi mich auf meiner Wanderung nach Bietigheim ansimste: „Magst du Sushi?“ Und mich dann etwa vier Kilometer von seinem Zuhause entfernt auflas. Und den Hund. Und meinen großen Rucksack. In einem offenen Porsche. Doch, das geht, ich war auch erstaunt. Mehr über Tobi und seine Freundin Veronika an anderer Stelle.

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17. Mai

Otto und Hilda. Die Kinder von Arne und Suse (die ich leider – depperter Depp ich – vergessen habe zu fotografieren, sorry). Kümmerten sich gleich am frühen morgen noch vor Schule und Kindergarten aufopfernd um die unter einem schleichenden Kuschel-Defizit leidende Paula, fütterten den Hund und zeigten ihm die ganze Wohnung auf zwei Stockwerken.

Zwar wünscht sich Hilda trotzdem lieber ein Pony, aber noch ein Tag mehr mit dem Hund und es müsste neu verhandelt werden…

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16. Mai 

Stellen Sie sich vor, ihre Nichte aus Österreich ruft an und sagt: Onkel Uwe, Tante Ute, da rennt gerade so ein Ex-Kollege und Facebook-Freund von mir ohne Geld durch Deutschland, der hat sich seit zwei Tagen nicht geduscht, ist hungrig und braucht einen Schlafplatz, nehmt den doch mal eine Nacht bei euch auf! Ach ja, einen murrenden, nassen Hund hat er auch dabei!“

Was würden Sie sagen? In neun von zehn Fällen jedenfalls nichts, das mir am Abend ein Bett, ein Rahmschnitzel mit Spätzle und eine nette Unterhaltung einbringen würde. Glücklicherweise gehören Ute und Uwe Weiland aus Kirchheim / Teck zu den aufgeschlossenen und nettesten Menschen, die ich bislang auf der Reise getroffen haben. Obwohl sie an diesem Abend erst von einem Kurztrip aus Norddeutschland zurückgekehrt waren, öffneten sie mir ihr Haus und interessierten sich für das „Deutschland Umsonst“-Projekt, vom dem sie vorher noch nie gehört hatten. Und meinen Schlafsack durfte ich auch nicht auspacken: „Sie kriegen ein ordentliches Plumeau!“

Am nächsten Morgen wurde ich bepackt wie ein Esel, damit ich auf dem Weg nach Stuttgart auch nicht verhungere, der Hund erhielt ein lila Strümpfchen für den wehen Fuß und Ute Weiland ließ sich auch nicht davon abbringen, mir auch noch etwas Kleingeld „für einen Kaffee zwischendurch“ zuzustecken. Wenn ich nicht schon prima Eltern hätte, würde ich mich bei den Weilands um eine Adoption bewerben… Danke!

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15. Mai 

Angela aus Laichingen. Thekenkraft in Kirsamers Bäckerei in Laichingen. Stellvertretend für ihre Kolleginnen in ganz Deutschland. Der Tip stammte aus dem Holzach-„Deutschland Umsonst“-Vorläufer, funktionierte also schon vor 30 Jahren: Wer in Bäckereien höflich nach etwas „altem Brot oder Kuchenresten“ für den Hund und sich selbst fragt, wird selten mit leeren Händen weggeschickt. Oft gibt’s sogar frische Brötchen (Semmeln, Wecken, Brezn) auf die Hand. Im Falle von Angela in Laichingen kam hinzu: Die Dame hat zwei Hunde, jeweils ältere Semester, fünfzehn und sechzehn Jahre alt. Ihr Mitgefühl für Paulas langen Weg an die heimische Futterkrippe sorgte dafür, dass wir frische Semmeln, ein Spitzen-Schinkencroissant und – ausschließlich für meinen Vierbeiner – eine sehr lecker aussehende, sehr große Knackwurst erhielten. Stoisch wurde sie vom Hund in anderthalb Sekunden vernichtet. Genießer ist der gemeine Haushund keiner.

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14. Mai 

Die Allgaier, Ulrike samt ihrer tollen Familie.  Nahm mich bei sich auf in Neu-Ulm, ließ die drei Jungs auf mich los, verpflegte den erfreuten Hund und brachte mich am nächsten Morgen mit allen drei Jungs, dem Kinderwagen und dem Fahrrad sowie grundentspannter guter Laune bis an den richtigen Weg, damit ich es schön habe auf dem langen Marsch nach Blaubeuren. Hat geklappt. Danke!

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13. Mai 

Der Burgmeier, Walter aus München. Stammt  aus dem Dunstkreis meiner Münchener Kickervergangenheit beim ruhmreichen FC Freischütz und der ebenso sagenumwobenen Freitagsrunde im Grüntal, hatte  ohnehin in Albstadt einen Auftritt und entschloss sich, mir auf der Strecke einen Besuch abzustatten. Obwohl der Walter ein Clown ist – also nicht privat, sondern hauptberuflich – ist er auch im alltäglichen Leben ein fröhlicher Charakter, der es sich nicht nehmen ließ, mir im Roggenburger Biergarten eine Maß Schorle, Kässpätzle und Erdbeerkuchen zu spendieren, siehe Foto, leider konnte ich mich erst nach den ersten 12 Bissen maßregeln und das Beweisfoto in Angriff nehmen. So wurde der Albert der erste Clown in meinem Leben, der mich auch ohne einen einzigen Gag zum lachen brachte.

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12. Mai .

Albert aus Ziemetshausen. Albert nennt sich konservativ, er möchte seinen vollen Namen nicht auf Facebook lesen. „Man muss nicht alles über den anderen wissen.“ Im ersten Moment macht Albert einen mürrischen Eindruck, aber das täuscht. Er ist ein freundlicher, zurückhaltender Mann, dem man seine klaren Prinzipien anmerkt. Zusammen mit seiner Frau

Claudia hat er drei Kinder (beinahe) großgezogen, Lilli ist nach grandios (1,4) bestandenem Abitur gerade in Rom, Leonie und Lennart sind noch auf der Schule. Seine Frau Claudia macht einen liebenswürdigen, mädchenhaften Eindruck, sie zuckt nicht mal, als der fremde Wanderer und sein großer, schwarzer Hund plötzlich vor der Tür stehen und auf Einladung des Gatten in die Dusche möchte. Albert bietet mir ein Nachtlager auf dem alten Heuwagen im Schober an, umgeben vom Traktor, Hennen und allerlei landwirtschaftlichem Retro-Gerät. Ert lädt mich auf ein Nachtessen ein, zusammen mit der Familie trinken wir noch ein kleines Dunkles. Der Hof ist schon seit 1991 nicht mehr bewirtschaftet, erzählt er, lohnte sich einfach nicht. Albert arbeitet in Augsburg, am nächsten Morgen muss er um 5 Uhr das Haus verlassen, da schlafen wir noch selig, Gott sei dank. Oder besser: Albert.

(Und wenn ich nicht so ein mieser Fotograf wäre, dann sähen Claudia, Tochter Leonie und Albert auch nicht so merkwürdig unscharf aus, sorry!  Lennart musste schon ins Bett –sein Glück– und Lilli war ja in Rom, s.o.)

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11. Mai 

Bernd & Nadine aus Friedberg/Augsburg. Die beiden kannte ich vorher nicht, er mich aber schon (ein bisschen): Bernd ist Hersteller bei DTV in München und hatte im letzten Jahr meinen Roman „Der mieseste Liebhaber der Welt“ auf dem Schreibtisch. Davon hat er sich nicht abschrecken lassen und mich zu sich nach Hause eingeladen, als er über den Newsletter des Rowohlt Verlags von meinem Projekt las. Was soll ich sagen: Grandioser Abend! Es war wie in meiner Studentenzeit in Aachen: Wir (Bernd, Nadine und Tochter Michelle) wackelten zu seinem Stamm-Griechen („El Greco“), wo mir nach gefühlten Jahrzehnten mal wieder die unschlagbare Kombination Bifteki/Samos kredenzt wurde. (Zum Glück ist Wandern ein einsames Geschäft…)  Vielen Dank, ihr drei und viel Glück beim Einzug ins GANZE Haus 🙂

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10. Mai 

Knut Schulz. Momentan laufen offenbar die Schulz-Festspiele – nachdem gestern Susanne so nett war, legte Knut heute nach. (Nicht verwandt oder verschwägert) Aus drei Gründen ist er der Tages-Gutste: Erstens wies er mich auf das ganz wunderbare Schloß Blumenthal-Wohnprojekt hin (das erkläre ich noch im Blog) und erklärte sich auch spontan bereit, mich dahin zu karren, nachdem das vom Ammersee stolze 55 Kilometer weg liegt (also nicht unbedingt auf der Route) Nach 20 Kilometer Fußweg las er mich hinter Grafrath auf, brachte mich nach Aichach und spendierte mir im schönsten Biergarten Bayerns (eben dem des Blumenthaler Schlosses) eine amtliche Oxenbratwurst mit Kartoffelsalat. (Und nein Freunde, der Hund musste nicht darben) 

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9. Mai

Susanne Schulz. Öffnete mit ihrer sympathischen Familie ihr schönes Haus für uns in Herrsching am Ammersee, auch wenn Paula vorher versprechen musste, dem freilaufenden Hasen Skippy nicht zu nahe zu kommen. Susanne empfing uns mit einem respektablen Care-Paket und charmanter Gastfreundlichkeit, Tochter Therese spielte nach dem Abendessen Klavier, der Blick auf dem Ammersee suchte seinesgleichen … ein wirklich schöner Abend. 

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8. Mai

Claudia Ebel, die Schwägerin. Überzeugte am freien Wochenende in München durch fachkundige Kommentare zu Fußball im Allgemeinen und St. Pauli im Besonderen („So eine schlechte Mannschaft hat noch NIE in der Bundeliga gespielt“). Hin und wieder stellte sie mir und dem Hund Nahrung vor die Nase, aber WIRKLICH verdient machte sie sich durch die Vermittlung eines Schlafplatzes in Herrsching am Ammersee: „Mi Facebook-Friend, su Facebook-Friend“. Danke!

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7. Mai

Frank Braun, mein Bruder. Klar, die eigene Sippschaft ist verpflichtet, jeden Anverwandten aufzunehmen und zu unterstützen, mag der Anlass ihr auch noch so bizarr erscheinen. „Du bist für ein Wander-Projekt so gut geeignet wie Angela Merkel für den Tango“ hatte mein Bruder kopfschüttelnd konstatiert, als er von meinen Plänen erfuhr. Bedient hat er mich trotzdem mit regelmässigen Lattes und einigen Köstlichkeiten vom Grill. Morgen noch mal das gleiche Programm, und ich bin zufrieden…

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6. Mai 

Der Borchers, Peter und seine Frau Christina. Wozu Facebook alles gut ist: Peter Borchers habe ich zuletzt vor 15 Jahren gesehen, da hieß er bei der ruhmreichen Münchener Freizeitkickertruppe FC Freischütz noch „Willi“. Inzwischen lebt er mit Frau und Kater in Glonn auf dem Land, arbeitet als Redakteur beim Münchener Merkur und war plötzlich via Facebook wieder auf meinem Schirm. Er gehörte zu den Ersten, die mir eine Übernachtung anboten, kaum, als er von dem Projekt erfahren hatte. Steckte mich in sein Garten-Blockhaus, stellte dem Hund Futter für drei Tage vors Bett und schleppte uns am Abend in ein zünftiges bayrisches Restaurant. Selbst der Latte Macchiato am nächsten Morgen war vom Feinsten. Und da sagt meine Frau immer, der Fußball sei gut für gar nix…

(Ich habe  natürlich vergessen, seine Frau Christina auch zu fotografieren. (Sorry, Christina)Das ließ mir der gute Mann nicht durchgehen – drum sind auf dem Foto auch ein Bild Christinas und Amadeus, der Katerkönig von Glonn zu sehen … )

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5. Mai 

Der Ertl, Girgl. Mag die Musik und sein Leben, führt beharrlich eine Musikneipe in Weyarn und hat keine Lust auf Tempo. Der Hund und ich durften in seiner Wohnung übernachten, nachdem ich im Kloster Weyarn vor die Tür gesetzt worden war. Am nächsten Morgen ratschten wir beim Kaffee gemütlich über das WeyHalla und was werden soll. Der Girgl ist ein Mensch, der anderen mit seiner unaufgeregten, freundlichen  Art gute Laune macht. Einer von den Guten.

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4. Mai

Die Rudorf, Amely. Sie ist Grafik Designerin, von Haus aus, und hat lange Jahre in London gelebt. Dann eine lange Weltreise gemacht. Nun ist sie zurück in Bayern und führt mit ihrer Mutter das Roeslerhaus in

Fischbachau. Und zwar auf eine warmherzige, ganz besondere Weise. Ich kam unangemeldet, obwohl ich das Haus kenne, aber Regeln sind Regeln. Für Mutter Christine und Tochter Amely kein Problem: Zimmer mit Aussicht. Ein gesundes Essen. Ein Bier. Der Kamin wurde mir angezündet. Und dann versuchte Amely mir noch mühsam, das Kartenlesen beizubringen. (Landkarten!) Aber da musste selbst dieser geduldige und sanfte Mensch die Segel streichen.

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3.Mai

Die Niedermaier, Marlies. Gebürtig zu Rosenheim, lebhaft in Hamburg, befreundet und bekannt mit mir seit den neunziger Jahren. Las wohl meinen Hilferuf aus Prien am See und reagierte prompt: Geh zum Hirzingerwirt nach Söllhuben, zum Lenzi, sag ihm einen schönen Gruß von meinem Bruder Franz-Joseph, besser: Chico. Okay, habe ich gemacht. Der Lenzi hat nicht mal gezuckt: Kein Problem! Seitdem denke ich drüber nach, wie der Franz-Joseph (ein Name, der zu ihm zu passen scheint, so weit ich das beurteilen kann) zu seinem Spitznamen Chico kam. Aber das tut ja hier nichts zur Sache. Die Niedermaier, Marlies hat mir übrigens auch für den heutigen Abend eine Übernachtungsmöglichkeit organisiert, in Bichl bei der Cousine, der Barbara Osanna (wieder so ein schöner Name!) Das war als Backup gedacht, für den Fall, dass der Röslerhof nicht klappt. Hat aber. Trotzdem: Tiefer Diener. Ganz ehrlich, das war soooo nett. Danke!

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2. Mai

Thomas und Carmen. Nachnamen ausdrücklich „unerheblich“. Zum Niederknien freundlich. Thomas gehört das „Gleis 1“, ein unkonventioneller Laden am Überseer Bahnhof. Mit 15 ist er schon allein durch die Welt gezuckelt, ohne Geld. Mein Projekt gefällt ihm, obwohl ich glaube, dass es aus seiner Perspektive maximal die „Abenteuer light“-Variante sein dürfte. Er ist Musiker, hat ein schönes Haus am Ortsrand und müsste eigentlich „lang nimmer“ arbeiten. Er machts, weil ihm seine jungen Gäste am Herzen liegen. Er ist 61 und demnächst geht er mit seiner Frau Carmen nach La Palma auf die Kanaren, nicht für immer, aber schon ein paar Monate im Jahr. Er braucht nur noch einen gescheiten Pächter für das „Gleis 1“. Carmen hat in ihrem schönen Haus am Rand von Übersee ein voll eingerichtetes Fitness-Studio, in dem sie Kurse für die Überseer Frauen gibt. Pilates, Gymnastik, Rückenschule. Ich weiß das, weil Thomas mich einlud, dort zu übernachten. Nachdem er mich 10 Minuten kannte. Es gibt Menschen, die mich beschämen. Einfach, in dem sie freundlich und vorurteilsfrei sind, ohne sich dabei ins Zeug zu werfen wie die Funkenmariechen. Viel Worte machte Thomas nicht, wollte auch keinen Dank – selbstverständlich sei das für ihn. Am nächsten Morgen luden die beiden mich zum Kaffee und zum Croissant ein, steckten mir eine Wurstsemmel in die Tasche und einen Energy-Drink. „Machs gut!“ riefen sie mir nach, und ich hoffe, das mache ich wirklich. Die beiden haben diesbezüglich ihren Job schon getan.

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1.Mai

Die Kurz Frieda aus Hammer. Erließ mir den Euro, den der Hammerwirt als Obulus für das Maibaum-Aufstellen von jedem Gast kassierte. Statt einem Billett gabs – auch für mich – einen kleinen Nadelholzstrauß… Im Grunde aber wird die Kurz Frieda die gute Täterin des Tages, weil sie stellvertretend für alle anderen Bajuwaren beim Hammerwirt dafür gesorgt hat, dass ich heute 10 Kilometer Strecke gespart habe. Danke! Oder wie wie heute so häufig hörten: Habe die Ehre!

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13 responses to “Jeden Tag ein guter Täter!

  • Nelly Fleckhaus

    Lieber Harald,

    wo befindet sich denn der Hammerwirt? Und wieso hat er dafür gesorgt, dass du 10 Kilometer gespart hast. Und was sagen der Rücken und deine Füße?
    Fragen über Fragen…
    Nelly

  • Blog-Tipp: Deutschland umsonst « Mardorfs Momentaufnahmen

    […] haben Sie dann ja auch die Ehre, in der Rubrik „Jeden Tag ein guter Täter“ zu […]

  • Bongi

    Warte gespannt auf Bericht, wo die Nachtruhe nach der Wasserwanderung stattfand. Oder hab ich was überlesen?

    • Harald Braun

      Bongi, gib mir ein wenig Zeit, ich kann ja nicht nur schreiben, ich muss ja erst was erleben 🙂 Und ja, du hast das PS im Blog überlesen: der Hirzingerwirt war so nett 🙂

  • Bongi

    Wie, „erst erleben, dann schreiben“? Ich dachte, Du hast verborgene Superkräfte und kannst das gleichzeitig. Ich staune schließlich schon die ganze Zeit über den unglaublichen Output der ersten Tage.

  • Georg

    Lässt sich doch gut an!
    Und meine Bayern zeigen sich von ihrer besten Seite.

  • Nadine

    Lieber Harald,
    die Freude war ganz auf unserer Seite, als du dich bei uns niedergelassen hast.
    War ein sehr schöner Abend nur leider zu kurz 🙂
    Vielleicht können wir das mal wieder wiederholen!
    Auf deiner Reise sollen dir viele gute und offene Menschen begegnen!
    Alles Gute aus Friedberg

    Nadine, Bernd und Michèle

  • Burgmeier

    Alter Wandersbursch sei gegrüßt,
    war großartig Dich so auf Deinem Weg zu treffen und Dir live ein paar Fragen stellen zu dürfen und Deinen schweren Rucksack mit einer Maß und ein wenig schwäbische Spätzle zusätzlich zu bestücken. Bleib Dir treu und erober die vielen Kilometer und damit Deutschland. Auf bald an anderer Stelle.
    Walter

    PS ein Hinweis in eigener Sache: mein Name; und: mein Auftritt war noch weiter weg (Albstadt!)

  • Lambertz, Bernd

    Hallo Harald,

    na dann werde ich in ein paar Tagen noch einmal hier reinschauen, um zu sehen wie es im Fleckhaus bei Nellly war.

    Gutes Gelingen und viel Erfolg mit deinem Buch.

    Gruß Bernd Lambertz (Geboren in Aachen bei Eschweiler)

  • Bongi

    Freut mich, dass Ihr Euch gut verstanden habt und alles geklappt hat! Bin schon sehr gespannt auf den Bilker Bericht.

  • kaipeters.photography

    hej harald. sehr schönes projekt! und ebenso: sehr schöne bilder! hätte ich dir gar nicht zugetraut……
    immer wieder erstaunlich welch hübsche bilder das iphone zaubert. viel glück für den restlichen weg.
    lieber gruß. kai

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